Sonntag, 18. August 2013

Ärzte werden von Big Pharma und Big Data missbraucht

Wie funktioniert die Beeinflussung von Ärzten?


-Kugelschreiber und kleine nützliche Werbegeschenke stehen bei der harmlos aussehenden Kontaktaufnahme im Vordergrund. Es geht im Gespräch vordergründig um den Nutzen von Arneimitteln, plakativ untermauert durch beeindruckende Studien (die meist nicht wissenschaftlich haltbar sind, wie sich später herrausstellt). 

-Gespräche über das Verordnungsverhalten werden durch regelmässig wiederkehrende "Berater" angeregt. Dabei wird das Verhalten des Arztes dokumentiert und analysiert. Die Pharma-Firmen verifizieren die Informationen über das Arzneimittel-Verordnungsverhalten der Ärzte durch zusätzlich analysierte Daten von Apotheken und anderen Bereichen von Big Data. Es werden von Big Pharma individualisierte Strategien zur Beeinflussung des Verschreibungsverhaltens entwickelt. Jeder Arzt hat seine Akte. Beziehungsweise jede relevante Pharmafirma hat jeweils eine Akte über jeden relevanten Arzt.

-Sponsoring von Abendessen und anderen fachlichen Austauschmöglichkeiten zwischen ärztlichen Kollegen. Der still dabeisitzende Pharmavertreter zahlt alles, er mischt sich nicht ein, versucht nicht plump zu manipulieren, es wird nur still mitgehört und man kann davon ausgehen, dass anschliessend ein Bericht darüber verfasst wird. Gerne unterstützen Pharmafirmen auch Veranstaltungen in Arztpraxen, z.B. indem das Buffet bezahlt wird, wobei als Gegenleistung dazu aufgefordert wird eine Anwesenheitsliste zu führen und auszuhändigen. 

-Fortbildungsveranstaltungen, die den Ärzten die Moglichkeit geben auf die geforderten 50 Fortbildungspunkte im Jahr zu kommen, sind oft reine Werbeveranstaltungen der Pharma-Industrie mit gekauften "Koryphäen" - Brainwash par excellence! Um die Leitlinien-Ärzte zu beeinflussen und in Abhängigkeit zu bringen werden vermutlich grössere Anstrengungen unternommen.

-Anwendungsbeobachtungen werden Verordnern die als kooperativ eingeschätzt werden angeboten, um sie in Abhängigkeit zu bringen. Dabei wird eine unwissenschaftliche Einzelbeobachtung einer Arzneimittelverordnung unangemessen hoch vergütet. 5 Minuten Vortrag für 500€, da wundert sich auch der beteiligte Arzt, nimmt aber dennoch meistens unvorsichtig den Umschlag in Empfang, ohne zu durchschauen, dass hier eine Falle gestellt wird, von den Veranstaltern alles penibel dokumentiert wird und das Material später gegen ihn verwendet werden kann, z.B. durch Erpressung mit möglichen Hinweisen an die Steuerbehörden.

-Marktforschung wird bei Markteinführung neuer Arzneimittel gerne als verdeckte Werbung und Manipulation durchgeführt. Den Ärzten werden z.B. 100€ für 20 Minuten Online-Befragung versprochen, oder ein persönliches Interview mit einem von einer Pharma-Firma beauftragten Marktforschungsinstitut wird durchgeführt, wobei gerne mehrere hundert Euro im Umschlag ausgehändigt werden. Die Interviews dienen Big Pharma sowohl zur gezielten Information, bzw. Manipulation der Verordner, als auch und vor allem zur Sammlung von Informationen über den Verordner, um ihn besser einschätzen und seine Entscheidungen besser manipulieren zu können.


Ärzte haben bisher offenbar Schwierigkeiten damit diese fatale Manipulation über Datensammlungen und psychologische Operationen von Big Pharma zu erkennen. Patienten können nachhelfen Bewusstsein zu schaffen, indem sie ihren Arzt einfach mal fragen, wie weit seine Zusammenarbeit mit den Pharma-Firmen geht und ob er sich darüber im klaren ist, dass er überwacht wird.

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